Im Rahmen der DAV-Herbsttagung 2012 in Bremen diskutierten Dr. Andreas Reuß und apl. Prof. Dr. Jochen Ruß vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) die Auswirkungen von Solvency II auf die zukünftige Produktentwicklung sowie die Konsequenzen für die Steuerung des Produktportfolios. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der Begriff der „Kapitaleffizienz“ als Maß für das Verhältnis von Profitabilität und Kapitalbedarf.
Anhand eines Fallbeispiels wurde dargestellt, wie die klassische Versicherung durch eine andere Ausgestaltung der Garantie so modifiziert werden kann, dass die Risiken aus Anbietersicht deutlich reduziert werden ohne dass die vom Kunden bei Vertragsabschluss wahrgenommenen Garantien reduziert werden. Anhand verschiedener quantitativer Analysen konnte gezeigt werden, dass die „neue Klassik“ tatsächlich kapitaleffizienter ist als die bisherige Klassik. Dieses Produkt wurde in der Schweiz bereits erfolgreich umgesetzt.
Für die im Neugeschäft aktuell sehr erfolgreiche Produktkategorie der dynamischen Hybridprodukte (DHP) wurde die Auswirkung des Produktdesigns auf die Risiken des Versicherers und die Kapitaleffizienz erläutert. Grundvoraussetzung hierfür ist die angemessene Berücksichtigung der Risiken von DHP in den Bewertungsmodellen unter Solvency II – die aktuell diskutierten Standardansätze sind hierfür nicht ausreichend.
Außerdem ist zu beachten, dass sich für DHP das unter Solvency II gemessene Risiko unter Umständen signifikant vom ökonomischen Risiko unterscheidet. Ergänzende Analysen des Umschichtungsrisikos sind deshalb unbedingt erforderlich und sind auch im Rahmen des ORSA zu berücksichtigen. Relevant für die Beurteilung der Kapitaleffizienz ist letztlich sowohl der erwartete Kapitalbedarf als auch die potenzielle Schwankung des Kapitalbedarfs im Zeitverlauf.
Quantitative Analysen zeigen, dass scheinbar kleine Modifikationen am Produktdesign signifikante Auswirkungen auf die Risiken haben können. So können vertrieblich getriebene Innovationen u.U. eine massive Erhöhung der Risiken nach sich ziehen. Abschließend wurde erläutert, dass auch für DHP eine „kapitaleffiziente“ Ausgestaltung möglich ist.
Das ifa unterstützt aktuell eine Reihe von Versicherern bei der Analyse der Kapitaleffizienz verschiedener Produktausgestaltungen sowie der darauf aufbauenden zeitgemäßen und nachhaltigen Anpassung des Produktportfolios.
Die Zukunft der Lebenserwartung ist aktuell so unsicher wie selten zuvor. Das ifa hat im Rahmen der Herbsttagung der DAV auf diese Unsicherheit hingewiesen und vorgestellt, wie Aktuare in der Produktentwicklung und im Risikomanagement mit dieser Unsicherheit umgehen können. [mehr]
Value for Money und der Nachweis eines angemessenen Kundennutzens von Lebensversicherungsprodukten ist stark in den Fokus der BaFin gerückt. Vor diesem Hintergrund stellt die Rechnungszinserhöhung eine doppelte Chance dar. Zum einen entsteht die Möglichkeit, die Attraktivität der Produkte im Neugeschäft zu erhöhen. Zum anderen bietet sich die Chance, bestehende Schwachstellen im Produktfreigabeverfahren zu korrigieren und damit für die Zukunft nachhaltig kundenorientiert aufgestellt zu sein. [mehr]
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